Niedrigster Wert seit über zehn Jahren: 2025 nur knapp 207.000 Wohnungen gebaut
Es ist der niedrigste Stand seit über zehn Jahren: Nur 206.600 Wohnungen sind in Deutschland im vergangenen Jahr gebaut worden, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. "Dramatisch" nannte das Verbändebündis Wohnungsbau diese Zahl - "gesellschaftlich notwendig" seien 400.000 Wohnungen pro Jahr. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) sagte, sie blicke "nicht nach hinten, sondern nach vorne": Die Baugenehmigungszahlen zeigten "deutlich nach oben".
2025 sank die Zahl fertiggestellter Wohnungen im zweiten Jahr in Folge deutlich, wie das Statistikamt in Wiesbaden erklärte. 2024 hatte der Rückgang 14,4 Prozent im Vorjahresvergleich betragen, 2025 waren es 18 Prozent. Niedriger als im vergangenen Jahr war die Zahl der Fertigstellungen zuletzt 2012 mit 200.500 Wohnungen.
Der Wohnungsbau in Deutschland hatte 2009 einen Tiefstand erreicht - damals wurden nur 159.000 Wohnungen fertiggestellt. Die Zahl kletterte bis 2020 auf 306.400 - dann sank sie 2021 bis 2023 wieder unter die Schwelle von 300.000 Wohnungen. Im vergangenen Jahr war der Rückgang besonders im Osten stark, hier schrumpften die Fertigstellungen um rund 34 Prozent.
Vor allem Privatleute scheuen ein Bauvorhaben: 2025 war der Rückgang hier mit fast 24 Prozent besonders deutlich, wie das Statistikamt mitteilte. Die Dauer von der Erteilung der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung verlängerte sich 2025 auf 27 Monate. Im Jahr 2020 hatte der Bau einer Wohnung noch durchschnittlich 20 Monate gedauert.
In den vergangenen Monaten allerdings war wieder Schwung in den Wohnungsbau gekommen: Die Zahl der Genehmigungen nahm 2025 im Vorjahresvergleich um 10,6 Prozent auf 238.100 zu, von Januar bis März stieg sie um 14,6 Prozent.
"Unsere Baupolitik, die auf Investitionen, Beschleunigung und die Reduzierung der Baukosten setzt, zeigt bereits Wirkung", sagte dazu Ministerin Hubertz der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). Weitere Maßnahmen wie beschleunigte Planungs- und Genehmigungsprozesse und Förderprogramme würden helfen, "auch in einer weiterhin schwierigen Lage die Fertigstellung wieder nach oben zu bringen".
Das Verbändebündnis Wohnungsbau, zu dem Bauverbände, Baugewerkschaft und Mieterbund gehören, äußerte sich dagegen pessimistisch. Deutschland stecke in einer "tiefen strukturellen Wohnungsbaukrise", erklärte das Bündnis. Es erwartet im laufenden Jahr einen Absturz auf unter 200.000 neu gebaute Wohnungen. Das Bündnis forderte unter anderem eine schnellere Umsetzung des Programms für einfaches Bauen sowie eine attraktivere staatliche Förderung.
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen erklärte, hunderttausende genehmigte Wohnungen würden "wegen hoher Kosten, komplizierter Vorgaben und fehlender Planungssicherheit" nicht realisiert. Laut Statistik gab es Ende 2025 rund 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen, rund 307.000 seien immerhin bereits im Bau.
Die Menschen spürten die Krise am Bau "längst durch weiter steigende Mieten und fehlenden Wohnraum", erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Er forderte von der Politik einen "Ruck für das bezahlbare Wohnen".
Y.A. Ibarra--LGdM