Susanne Johna kündigt Kandidatur als BÄK-Präsidentin an
Susanne Johna hat bei ihrer Wiederwahl zur Vorsitzenden des Marburger Bundes angekündigt, im Mai 2027 als erste Frau die Bundesärztekammer zu leiten. In ihrer Rede kritisierte sie die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Ärzte in politischen und wirtschaftlichen Fragen und forderte eine stärkere Positionierung der Berufsgruppe.
Berlin – Bei ihrer Wiederwahl zur ersten Vorsitzenden des Marburger Bundes hat Susanne Johna am Donnerstag in Berlin ihre Kandidatur für das Amt der Präsidentin der Bundesärztekammer (BÄK) bekannt gegeben. Die Wahl findet im Mai 2027 in Wiesbaden statt. Johna erklärte, sie wolle kandidieren, um die Bundesärztekammer nach 80 Jahren Bestehen zum ersten Mal von einer Frau zu leiten.
In ihrer Rede vor der Hauptversammlung des Marburger Bundes äußerte Johna zunehmende Besorgnis darüber, dass die Rolle der Ärzteschaft in den Hintergrund gedrängt werde. Sie kritisierte, dass Ärzte hinter Kassenfunktionären, Ökonomen und neuerdings auch Apothekern an Bedeutung verloren hätten. „Da müssen wir uns als Ärzteschaft gemeinsam wirklich auch mit gemeinsamen Zielen klar positionieren“, sagte Johna. Sie betonte, dass dies nicht länger hingenommen werden dürfe.
Mit 202 von 224 abgegebenen Stimmen wurde Johna für eine dritte Amtszeit zur ersten Vorsitzenden gewählt. Sie führt die Ärztegewerkschaft seit November 2019 und ist als Internistin und Krankenhaushygienikerin in Hessen tätig. Bei der Wahl gab es keinen Gegenkandidaten.
Für ihre geplante nächste Amtszeit kündigte Johna an, sich gegen den „kalten Wind“ zu wehren, der der Ärzteschaft zunehmend ins Gesicht blase. Sie wolle ihre Erfahrung nutzen, um die Interessen der Ärztinnen und Ärzte zu vertreten. Als zentrale Ziele nannte sie bessere Arbeitsbedingungen und eine Verringerung des ökonomischen Drucks. Die Akzeptanz weiterer Kürzungen bei ärztlichen Gehältern oder Honoraren lehnte sie entschieden ab. „Wir sind nicht zuständig dafür, unsere Arbeitgeber zu finanzieren“, betonte sie.
Johna gab zudem zu verstehen, dass sie die volle vierjährige Amtszeit als BÄK-Präsidentin nicht durchlaufen werde, falls sie gewählt wird. Sie erklärte, beide Ämter seien auf Dauer nicht zu vereinbaren, und wolle diesen „ehrlichen Fahrplan“ offen darlegen.
Auf der Hauptversammlung wurde auch Andreas Botzlar mit 219 von 224 Stimmen erneut zum zweiten Vorsitzenden wiedergewählt. In seiner Rede betonte er die Notwendigkeit, im kommenden Jahr alle Energie aufzubringen, insbesondere in der Tarifpolitik. Zunächst würden Verhandlungen mit den Kommunen über neue Tarifverträge geführt, gefolgt von Gesprächen mit Universitätskliniken. „Wir werden da einen starken Auftritt brauchen“, so Botzlar.
Als Beisitzer im Vorstand wurden Melanie Rubenbauer aus Bayern, Peter Bobbert, Präsident der Berliner Ärztekammer, Sylvia Ottenmüller aus Baden-Württemberg, Sven Christian Dreyer, Präsident der Landesärztekammer Nordrhein, und Claudia Hellweg aus Mecklenburg-Vorpommern wiedergewählt. Neu im Vorstand sind Patricia Kalle Drosten für den Landesverband Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz sowie Kathrin Schawjinski aus Hamburg.
L.Navarro--LGdM