La Gaceta De Mexico - Frankreich: Präsidentschaftskandidat Philippe unter Veruntreuungsverdacht

Frankreich: Präsidentschaftskandidat Philippe unter Veruntreuungsverdacht
Frankreich: Präsidentschaftskandidat Philippe unter Veruntreuungsverdacht / Foto: © AFP/Archiv

Frankreich: Präsidentschaftskandidat Philippe unter Veruntreuungsverdacht

Sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl ist der Mitte-Rechts-Kandidat Edouard Philippe mit Vorwürfen der Veruntreuung konfrontiert: Eine ehemalige Mitarbeiterin aus Le Havre hat am Mittwoch ein Buch veröffentlicht, in dem sie ihm unter anderem vorwirft, ein städtisches Vorhaben für Start-ups im Umfang von zwei Millionen Euro ohne Ausschreibung an seine Stellvertreterin übertragen zu haben. "Da wurde Geld aus dem Fenster geworfen", sagte die deutsch-französische Spitzenbeamtin Cornelia Findeisen der Nachrichtenagentur AFP. Sie hatte Philippe deswegen bereits 2023 angezeigt, noch bevor dieser seine Präsidentschaftskandidatur erklärt hatte. Seitdem läuft ein Ermittlungsverfahren. Philippe weist die Vorwürfe zurück.

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Bislang war nicht öffentlich bekannt, wer die Klage gegen Philippe eingereicht hatte. Nun schildert Findeisen ihre Version in einem Buch. Eine politische Agenda verfolge sie damit nicht, erklärte sie. "Die Demokratie kann nur gerettet werden, wenn die Präsidentschaftskandidaten die Korruption angehen", meinte sie. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung habe nicht mit dem Wahlkampf zu tun. Ihr Buch enthalte lediglich die Botschaft, dass die Franzosen keine Mauscheleien von Politikern hinnehmen sollten.

Der Fall von Philippe sei "kein Einzelfall", sagte Findeisen. In den vergangenen Jahren sei in den Gebietskörperschaften "immer mehr gemauschelt" worden. "Weil alle Parteien gemauschelt haben, wurden die Extreme genährt", meinte Findeisen.

Im Fall von Philippe geht es um die Cité numérique, ein Gebäude, in dem Startups angesiedelt werden sollten. Die Leitung wurde nach Darstellung von Findeisen einem Verein übertragen, ohne dass es dafür eine Ausschreibung gegeben hätte. Leiterin des Vereins war eine langjährige Vertraute Philippes, die zudem Digital-Beauftragte im Rathaus war. "Als ich die Unterschriften der beiden nebeneinander auf dem Vertrag sah, war mir klar, dass da etwas nicht stimmte", sagte Findeisen, deren Vertrag nicht mehr verlängert wurde, nachdem sie öffentlich darauf hingewiesen hatte.

2025 wurde die aus Bochum stammende Findeisen in Frankreich offiziell als Whistleblower (Hinweisgeberin) anerkannt. Im vergangenen Mai beantragte die Finanzstaatsanwaltschaft ein gerichtliches Ermittlungsverfahren. Einer der beiden Untersuchungsrichter ist Serge Tournaire, der in Frankreich dafür bekannt ist, dass er gegen den damaligen konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon wegen Scheinarbeit ermittelt hatte. Fillon galt zeitweise als Favorit, kam am Ende aber hinter der Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem Überraschungskandidaten Emmanuel Macron nur auf den dritten Platz.

X.Rivera--LGdM