Schülerproteste in Frankreich: Regierung zeigt Verständnis - verurteilt aber Gewalt
Die französische Regierung hat die Gewalt bei den anhaltenden Schülerprotesten verurteilt, zugleich aber auch Verständnis für die Forderungen der Schülerinnen und Schüler gezeigt. "Das Demonstrationsrecht gehört zu den grundlegenden Freiheiten, Gewalt aber nicht", sagte Bildungsminister Édouard Geffray am Mittwoch dem Sender RTL. "Die Forderungen sind legitim", betonte er zugleich. Die Protestierenden müssten "angehört und verstanden" werden.
Seit Beginn der Proteste in der vergangenen Woche seien bereits 76 Menschen verletzt worden, sowohl Schüler als auch Lehrkräfte, sagte Geffray. Am Mittwochmorgen kam es erneut an mehreren Oberschulen landesweit zu Protestaktionen. Vor einem Gymnasium in der Pariser Vorstadt Saint-Denis waren mehrere Dutzend Sicherheitskräfte im Einsatz, wie ein AFP-Journalist beobachtete. In Straßburg löschte die Feuerwehr mehrere brennende Mülltonnen von einer Berufsschule. In Lyon zielten Schüler mit Wurfgeschossen auf Polizisten, dort kam es zu 14 Festnahmen.
Die Proteste hatten in der vergangenen Woche im Großraum Paris begonnen und sich anschließend auf andere Landesteile ausgeweitet. Schülerinnen und Schüler protestieren unter anderem wegen zu langer Schultage, baufälliger Schulgebäude und häufiger Fehlzeiten von Lehrern. Der Bildungsminister räumte ein, dass in Frankreich derzeit sieben Prozent der Unterrichtsstunden ausfallen. "Das ist nicht akzeptabel, wir müssen alles tun, um das zu verhindern", sagte Geffray.
Am Dienstag waren im Zusammenhang mit den Schülerprotesten insgesamt 440 überwiegend minderjährige Menschen festgenommen worden. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren am Dienstag gut 400 Schulen betroffen.
F.Deloera--LGdM