"Blamage ersparen": Berlin zieht Olympiabewerbung zurück
Endgültiges Olympia-Aus für Berlin: Die Hauptstadt hat ihre Bewerbung um Sommerspiele nach den Rückschlägen der vergangenen Tage zurückgezogen. Dies teilten die Verantwortlichen um den scheidenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Roten Rathaus mit. Somit sind vor der Entscheidung über den deutschen Bewerber für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 am Samstag in Baden-Baden nur noch München und Köln/Rhein-Ruhr im Rennen.
Der Berliner Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand erklärte emotional: "Wir wollten nicht in Baden-Baden mit einer einstelligen Stimmanzahl aus der Runde gehen. Berlin hat nicht verdient, dort abgewatscht zu werden. Diese Blamage wollen wir uns ersparen. Dann behalten wir das Heft des Handelns selber in die Hand." Dem DOSB warf Niroomand vor, mit dem Aus Berlins erhebliche Chancen auf den Zuschlag durch das Internationale Olympische Komitee eingebüßt zu haben: "Wenn das IOC entscheiden wird, sitzt der wichtigste Player nicht mit am Tisch."
Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, sagte: "Der DOSB akzeptiert und bedauert den Rückzug der Berliner Bewerbung. Gleichwohl nötigt uns dieser Schritt den allerhöchsten Respekt ab. Dass Berlin die nationale und internationale Bedeutung der Entscheidung von Baden-Baden über seine eigenen Interessen stellt, ist ein großes Zeichen von Fairness und Respekt."
Die Berliner Bewerbung stand schon länger unter Druck. Anders als in München und Nordrhein-Westfalen fehlte ein Referendum, als Gegner formierte sich eine starke "NOlympia"-Bewegung, seit Sonntag war auch die Unterstützung der Politik fraglich. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken und Anwärterin auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, hatte nach dem Wahlsieg ihrer Partei in Berlin ihre Ablehnung der Olympiapläne deutlich gemacht.
Hinzu kam am Dienstag der Bericht der zuständigen Evaluierungskommisson. Dort hatte die Kampagne Berlin+, die mit Partnern aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen angetreten war, gegenüber München und Rhein-Ruhr klar das Nachsehen gehabt. Hamburg war nach einem negativ ausgefallenen Bürgerentscheid im Mai aus dem Rennen ausgeschieden.
Wegner sprach von einer "Chance", die "uns genommen wurde und setzte hinzu: "Leider wurde der Stecker gezogen." Sportsenatorin Iris Spanger bezog sich auf das Bewertungsverfahren und merkte an: "Infrastruktur lässt sich aufbauen, eine international wirkende Strahlkraft jedoch nicht."
Im Kurhaus von Baden-Baden entscheiden am Samstag 42 olympische Sportverbände – auch die aus dem Wintersport – sowie das Präsidium und persönliche Mitglieder des DOSB, wer ins Rennen geschickt wird. Die Verantwortung liegt dabei bei den Fachverbänden, die jeweils drei Stimmen besitzen und diese im Block abgeben müssen (insgesamt: 126). Jede Person aus dem DOSB-Präsidium (10) und alle persönlichen Mitglieder (8) haben jeweils eine Stimme. Für den Sieg ist die absolute Mehrheit der maximal 144 Stimmen nötig.
Der deutsche Bewerber tritt beim IOC in einen Wettstreit mit zahlreichen Kontrahenten ein. Die Spiele 2036 will das IOC in drei Jahren vergeben.
D.Torres--LGdM